Das Jahr 2024 ist für den Schweizer Jugendchor eine Zeit der Festlichkeiten: er feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einem musikalischen Programm voller Jubiläen.
Zum Auftakt tritt der Chor am 24. März in der Petruskirche in Bern zu Ehren des 100. Geburtstags von Arthur Furer auf. Der Konzertchor singt um 10 Uhr das Oratorium Golgatha, und um 14 Uhr wird die Aufführung mit Stücken desselben Autors für Frauenchor fortgesetzt. Auch der Genfer Komponist Frank Martin, welcher seinen 50. Todestag feiert, wird dieses Jahr gewürdigt – erst mit einer Aufnahme seiner Messe für Doppelchor und anschliessend mit einer Konzertreihe am Samstag, 16. und Sonntag, 17. November.
Besonders bedeutungsvoll ist für mich dieses Jahr die Zahl 30. 30 ist das Alter des SJC. 30 ist auch das Alter, das ich bereits in vier Jahren erreichen werde. 30 ist das dreifache der Zeit, die ich mit Chorsingen verbracht habe. 30, das ist die Anzahl der Jahre, in denen sich junge Menschen aus der ganzen Schweiz zusammengeschlossen haben, um diesen fantastischen Chor aufzubauen und am Leben zu erhalten, in dem ich nun das Glück habe, singen zu dürfen. Diese 30 Jahre faszinierten mich, also stellte ich Pascal Mayer, welcher gemeinsam mit Hansruedi Kämpfen den Chor gegründet hat und dessen Tochter Aude nun ebenfalls im Chor singt, ein paar Fragen, welche mich auf eie kleine Reise in die Vergangenheit führten:
Wir schreiben das Jahr 1994. Mehrere nationale Jugendchöre entstehen in Europa und eine Gruppe ehemaliger Vorstandsmitglieder hat schon länger vor, auch einen Schweizer Jugendchor zu gründen. Da sie aber selbst nicht dazu in der Lage sind, überträgt der Vorstand diese Aufgabe an Hansruedi und Pascal. Und so stellt durch Mund-zu-Mund-Propaganda eine wild zusammengesetzte Truppe, bestehend aus Sängerinnen und Sängern aus Ensembles beider Dirigenten und aus Chören ihrer Kollegen, eine Woche nach Ostern in einem etwas veralteten Haus in Leysin ein Konzertprojekt mit Orgelbegleitung auf die Beine. Die Proben finden oft in einer Kirche statt, wo es im April nicht immer so warm ist, aber an Motivation mangelt es nicht. Es folgt die Frage nach der Finanzierung, welche durch Unterstützung der Schweizer Chorvereinigung und einer Investition wichtiger Verwalter (wunderbare Menschen, wie Pascal mir erzählt) geklärt wird. Im zweiten Jahr des Chors findet bereits das Vorsingen für ein nächstes Projekt: Händels Oratorium Joshua als Co-Produktion mit einem Orchester.
Während ich Pascal zuhöre, träume ich plötzlich von den vergangenen Tagen im Dezember, als der SJC mit der Aufführung von Bachs Messe in H-Moll in der Tonhalle ebenfalls eine grossartige Produktion mit Orchester aufführen konnte. Weiter im Gespräch erzählt mir Pascal, dass die Gründung des SJC vom Schweizer Jugendsinfonieorchester (SJSO) inspiriert wurde. Und wieder ertappe ich mich beim Träumen: Vielleicht werden die beiden Ensembles irgenwann in der Zukunft für ein Projekt zusammenkommen? Möglicherweise sind sie das auch bereits, ohne dass ich davon wusste.
Für Pascal Mayer hat sich "der Kreis geschlossen". Er vermisst zwar manchmal den SJC, aber seine Tochter in seinen Reihen singen zu sehen, bedeutet ihm sehr viel. Ich bin berührt von dieser kleinen Erzählung über den Chor und hoffe, bald auch andere Figuren der SJC-Geschichte zu erreichen, wie Hansruedi, der mir anfangs Jahr nicht antworten konnte. Trotz all dem Schweifen durch die Vergangenheit und Zukunft freue ich mich dank dieses Festjahres auch über die Gegenwart und lade euch, die das lest, herzlich ein, mit uns zu feiern.
Virginie Granget, Sopran 1,
übersetzt von Moritz Lieberherr, Tenor 1