Am SKJF stand Leyla, unsere neue Assistentin, zum ersten Mal gemeinsam mit Beni vor dem Chor. Zur Nachfolge von Leyla auf Lydiane und Benis «Halbzeit» haben wir mit allen Dreien ein kleines Interview geführt.
Gratulation Leyla, du bist seit April neue Assistentin des Schweizer Jugendchors. Für die, die dich noch nicht kennen. Wer bist du und wie bist du zum SJC gestossen?
Ich habe von klein auf schon immer viel Musik gemacht und viel in Chören gesungen. Die Idee, Chorleitung zu studieren, ist aber erst nach meiner Zeit am Gymnasium Muttenz durch die vielen tollen Erfahrungen mit dem GymChor aufgekommen, die mich musikalisch sehr geprägt haben. Während meiner Zeit im Gymnasium habe ich schon viel über den SJC gehört, ich habe mich aber damals noch nicht getraut, zu einem Vorsingen zu kommen ;) Mein erstes Projekt mit dem Sinfonischen Chor war dann Beethovens 9. Sinfonie im Herbst 2023, als mich Deborah Züger, mit der ich noch ein Semester zusammen studierte, darauf aufmerksam gemacht hat.
Am SKJF hattest du deine Feuertaufe, das erste Konzert- und Probewochenende in deiner neuen Rolle. Ein schöner Auftakt?
Ein unglaublicher Auftakt! Das erste Mal mit dem Chor arbeiten und ein Stück dirigieren zu dürfen, hat enorm viel Spass gemacht, obwohl ich davor wirklich wahnsinnig nervös war. Ich freue mich riesig auf die kommenden zwei Jahre und auf weitere solche Erfahrungen! Zudem habe ich an diesem Wochenende mitbekommen, was alles neben der musikalischen Arbeit zum Assi-sein noch dazugehört. Ich denke, in diesen Job muss ich erst mal ein wenig reinwachsen, alles kennenlernen und mich irgendwie zurechtfinden. Ich bin total froh, dass ich das gemeinsam mit Beni machen darf und bin gespannt auf alles, was kommt!
Für die kommenden zwei Jahre mit dem SJC: Worauf freust du dich, was sind deine Ziele?
Die Stelle ist für mich eine riesige Chance, musikalisch und auch praktisch von der Arbeit auf musikalisch hohem Niveau lernen und daran wachsen zu können. Gelegenheiten wie diese gibt es wirklich nicht viele in der Schweiz und ich bin total dankbar für diese Möglichkeit. Ich freue mich darauf, mit diesem tollen Chor Musik machen zu dürfen, zu der man sonst im Alltag nicht mehr so schnell kommt. Mein Ziel ist es, aus diesen zwei Jahren auf allen möglichen Ebenen, sei es musikalisch, im Vorstand, in der Organisation oder sonst wo, so viel wie möglich mitzunehmen und dabei hoffentlich auch ein wenig Spass zu haben ;)
Beni, du bist ungefähr in der Halbzeit deiner Assistenz angelangt. Wie war das erste Jahr, wie geht es dir?
Es kommt mir selbst etwas seltsam vor, dass ich jetzt schon ein Jahr Assistent bin. Wenn ich zurückschaue, dann war es ein sehr volles, musikalisches und lehrreiches Jahr. Ich bin also nach wie vor voller Begeisterung dabei. Ich habe im letzten Jahr sehr gerne mit Lydiane als Kollegin zusammengearbeitet und bin dankbar, wie sich mich vor allem auch in die administrativen Teile der Assistenz eingeführt hat und freue mich jetzt aber auch sehr auf die Zusammenarbeit mit Leyla als neuer Co-Assistentin!
Gibt es ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Premiere mit unserem Liberté-Programm im März 2026, vor allem wegen «Figure Humaine» von Francis Poulenc. Dabei ist es nicht einmal so sehr die Premiere selbst, sondern der Weg dahin, der mich besonders berührt und beeindruckt hat. «Figure Humaine» ist ja eines der absoluten Gipfelwerke des Acappella-Repertoires für Chor und die Einstudierung des Programms und vor allem auch dieses Werks hat uns fast ein Jahr lang begleitet. Für mich war es wunderschön zu erleben, wie unsere Sänger:innen sich auf dieses Werk eingelassen haben, wie viel Gemeinschaft darum herum entstanden ist und wie diese Musik dann plötzlich zum Klingen kam.
Was wünschst du dir für die zweite Halbzeit? Gibt es etwas, worauf du dich speziell fokussieren möchtest?
Ich freue mich jetzt vor allem einfach, dass ich nochmals ein Jahr in der Assistenz habe und wünsche mir, dass ich noch so viel wie möglich musizieren, proben und dirigieren kann, bevor ich dann den Stab weitergebe. Ausserdem finde ich es auch unglaublich schön zu erleben, wie viele tolle, neue Sänger:innen immer wieder zum Chor dazustossen. Ich bin als Assistent und vor allem auch vorher als Sänger insgesamt ja schon relativ lange dabei und für mich ist und war der SJC ein unglaublich wichtiger Ort, musikalisch und sozial. Von demher ist es gerade jetzt in meiner zweiten Halbzeit als Assistent wunderbar zu sehen, dass dieser Spirit des SJCs, der für mich so wichtig war, weitergeht und neuen Menschen offen steht.
Lydiane, nach deinem Rücktritt als Assistentin bleibst du dem SJC zum Glück weiterhin treu, zusammen mit Julia bist du neue Co-Präsidentin. Was hat dich dazu motiviert?
Par hasard, je me retrouve aujourd’hui la plus ancienne membre bénévole du comité, même si j’y suis depuis 2022 seulement. Il me semblait donc utile d’offrir encore pour un moment toutes les compétences et connaissances acquises ces dernières années, afin de participer au développement du CSJ, notamment en ce qui concerne le lien avec la Suisse romande. Julia m’a naturellement proposé de créer une co-présidence afin de décupler les ressources dans un rôle stratégique, ce qui est rempli de bon sens. Et puis, heureusement qu’il y a les projets symphoniques pour chanter encore un peu !
Rückblickend auf deine Assistenz: Was waren deine grössten Herausforderungen und was hat dir am meisten Freude bereitet?
Die größte Herausforderung in meiner Rolle als Assistentin bestand darin, ein gutes Gleichgewicht zwischen den Chormitgliedern, der künstlerischen Leitung und der Geschäftsstelle zu finden. Die Assistent*innen sind wirklich «le cœur du chœur» und für den aktuellen Betrieb des CSJ unverzichtbar. Durch die Zusammenarbeit mit zwei Partner*innen, Lea und später Beni, habe ich enorm viel über meine Arbeitsweise gelernt und es sehr geschätzt, meine Gedanken mit einer zweiten Person teilen zu können. Außerdem hat mich das in meinem Deutsch sehr weitergebracht :)
In diesen zwei Jahren hatte ich das Glück, an der Umsetzung wunderbarer Projekte mitwirken zu dürfen: die CD und das Konzert zum 30-jährigen Jubiläum des CSJ, die Uraufführungen von Schürch oder Hamilton, die spannende Arbeit mit «Figure Humaine» . Über die Projekte hinaus hat mich der künstlerische Austausch sehr erfüllt und meine Ausbildung zur Chorleiterin enorm bereichert.
Wenn du zeitreisen könntest und nochmal Anfang 20 Jahre alt wärst, würdest du nochmal Assistentin werden wollen? Gibt es etwas, das du deinen Nachfolger*innen mit auf den Weg geben möchtest?
Auf jeden Fall! Am liebsten hätte ich schon als Chorsängerin etwas früher im SJC angefangen, um das Abenteuer noch etwas länger genießen zu können. Der Chor war bei mir zu Hause einfach nicht bekannt (immer noch nicht genug, aber ich arbeite daran!) und dann gab es ja noch dieses gewisse Covid, das meinen Einstieg ein wenig verzögert hat… Wenn ich ehrlich bin, bin ich schon mit dem Hintergedanken in den Chor eingetreten, mich irgendwann als Assistentin zu bewerben und vielleicht eines Tages Assistentin zu werden :) Jedes Assistenzteam hat seine eigene Art, ich wünsche Leyla und den nächsten Assistent*innen, dass sie in dieser Zusammenarbeit ihre Stärken finden – und vergesst nicht, dass der Vorstand da ist, um euch zu unterstützen. Diese zwei Jahre sind sehr intensiv, aber das musikalische und zwischenmenschliche Feedback, ist die Mühe, die man in diese Arbeit mit Leidenschaft steckt, wirklich wert.
Herzlichen Dank für den Austausch. Moritz und Luis.